Unterstützung von pflegenden Angehörigen in der Gemeinde
Eva Kiefl

AusgangslageIn Deutschland leben rund 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen. Davon werden etwa 70% von ihren Angehörigen gepflegt. Es wird geschätzt, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 auf 3,4 Millionen ansteigt. Daraus ergibt sich, der Pflegebereich und somit auch die Pflege durch Angehörige immer mehr an Bedeutung gewinnt und es nötig ist weitere Unterstützungsangebote in diesem Bereich aufzubauen und durchzuführen. (http://de.statista.com/themen/785/pflege-in-deutschland/,8.12.13)
Meine Heimatgemeinde liegt im östlichen Teil Niederbayerns und hat derzeit ca. 3.500 Einwohner. Die Gemeinde befindet sich in einem eher ländlichen Bereich und ist gekennzeichnet durch einen größeren Hauptort in dessen unmittelbarer Nähe die kleineren Dörfer liegen. Zudem befindet sich in etwa 20 km Entfernung eine Stadt. Auch hat die Gemeinde ein wachsendes Gewerbegebiet, wodurch viele Arbeitsplätze geschaffen wurden.
Wie in ländlichen Gebieten oft üblich, pflegen in der Gemeinde viele Personen und Familien ihre Angehörigen bei sich zu Hause. Sie übernehmen dabei meist alle Aufgaben selbst und betreuen die Pflegebedürftigen rund um die Uhr. Manche nutzen den im Ort tätigen ambulanten Pflegedienst, wobei trotzdem auch pflegerische Tätigkeiten von den Angehörigen selbst übernommen werden. Diese ständige Betreuung und Pflege fordert den pflegenden Angehörigen die zumeist als Laien auf dem Gebiet tätig sind sehr viel ab. Zum einen sind sie körperlich überfordert und zum anderen besteht eine große seelische Belastung, da der Druck und Stress in der Pflege sehr groß ist und oft keine Zeit mehr für sich selbst oder die Familie bleibt, zumal es oft wenig Unterstützung gibt. Zudem stößt man oft auf Unverständnis bei Nachbarn oder Verwandten, die keine Kenntnisse über Pflege oder Krankheiten von Pflegebedürftigen haben. Viele Angehörige erkranken dadurch selbst irgendwann, da sie die Situation letztlich überfordert. Auch haben sie bei rechtlichen Grundlagen im Bereich der Pflege oft Schwierigkeiten, und wissen z.B. nicht was ihnen durch die Pflegschaft zusteht oder wo bzw. was beantragt werden kann. Deswegen erachte ich es als wichtig Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige in der Gemeinde aufzubauen, da in diesem Bereich bisher nichts vorhanden ist.
Ziel
Durch das Projekt sollen Angebote geschaffen werden, die den pflegenden Angehörigen Hilfe und Entlastung in ihrer Situation bieten. Dadurch werden auch Kontakte entstehen und es kommt zu einem Austausch zwischen den Betroffenen. Ein Nebeneffekt könnte sein, dass auch andere Gemeindemitglieder die niemanden pflegen ein Gefühl für die Situation der Angehörigen bekommen und sich an dem Projekt beteiligen bzw. Mithilfe leisten. Dies und die geschaffenen Angebote sowie Veranstaltungen können den pflegenden Angehörigen dabei helfen besser mit ihrer Situation umzugehen und Schwierigkeiten zu bewältigen.

Schritte des VorgehensZu Beginn soll durch Befragungen und eine Vorstellung des Projektes herausgefunden werden, ob Handlungsbedarf besteht und welche Ideen und Wünsche zum diesem Thema vorhanden sind. Auch kann dadurch festgestellt werden, wer an den Angeboten teilnehmen würde, bzw. welche Personen bereit wären selbst Angebote zu gestalten. Danach muss die Befragung ausgewertet werden, um die Grundlage für das Projekt zu entwickeln und interessierte Personen die sich beteiligen möchten gleich von Beginn an dabei zu haben. Zudem wirken Personen die an der Planung beteiligt waren an Projekten besser mit, da sie dadurch mehr motiviert sind. Ferner kann man durch die Befragungen an weitere Schlüsselpersonen kommen, die an dem Projekt mitwirken könnten.
Eventuell hat sich eine Lenkungsgruppe zusammen gefunden, die etwas an der derzeitigen Situation von pflegenden Angehörigen ändern möchte und die nun gesammelten Ideen und Wünsche zusammensetzt, um damit die nächsten Schritte zu planen. Sie übernehmen dann die Koordination der Veranstaltungen und Angebote. So koordinieren sie z.B. wer welche Angebote anbieten will, nehmen vielleicht auch Kontakte zu Organisationen auf, sie planen wann und wo die Angebote stattfinden können, usw. Für die Treffen dieser Gruppe benötigen wir einen Raum, der ein oder zwei Mal in der Woche zur Verfügung steht. Dazu würde sich ein Raum im Pfarrheim gut eignen, da dieses öfter in der Woche frei ist und der Pfarrer verschiedenen Gruppen gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Auch ein Raum der Gemeinde könnte sich eignen. So könnte man nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister ein Zimmer in der Schule zur Verfügung gestellt bekommen, da dort viele Räume leer stehen.
In einer öffentlichen Präsentation wird nun die Planung und die dazugehörigen jeweiligen Angebote vorgestellt, d.h. wie die Interessen und Ziele umgesetzt werden sollen. Bekannt gemacht wird dieses Treffen durch Aushänge in Schule, Kindergarten, Rathaus, und in den Geschäften. Dies sind die Orte in der Gemeinde die von den meisten Einwohnern häufiger aufgesucht werden. Auch könnte mit dem Bürgermeister gesprochen werden, dass auf der Homepage der Gemeinde eine Anzeige steht. Zudem kann ein Bericht über dieses Projekt in der örtlichen Zeitung die Personen anlocken und im Gegensatz zu einer Anzeige würde dies nichts kosten. Auch Absprachen mit dem ambulanten Pflegedienst können helfen, da er manche pflegende Angehörige persönlich sieht und darauf ansprechen kann. Die Vorstellung kann in der Turnhalle der Schule stattfinden, da dort genügend Raum ist, um die verschiedenen Angebote vorzustellen und vielleicht auch zu jedem einzelnen einen Stand aufzubauen an dem sich die Personen informieren können. Vielleicht finden sich dann noch weitere Ideen oder noch mehr Personen, die an dem Projekt teilnehmen möchten und die bei der Umsetzung einbezogen werden können.
Die Verwirklichung des Projektes kann nun beginnen.
Ein paar Beispiele die vielleicht angeboten werden könnten:
Beratung:Kontakt zur Fachstelle für pflegende Angehörige oder Krankenkassen in der nahe gelegenen Stadt.· allgemeine Vorträge zum Thema „Angehörigenpflege“, z.B. im Schulhaus der Gemeinde. Diese Vorträge könnten auch dafür dienlich sein, die Allgemeinheit der Gemeinde über die Situation von pflegenden Angehörigen aufzuklären.· Individuelle Beratungsgespräche können in der Fachstelle bzw. Krankenkasse stattfinden oder auf Wünsche auch bei den Betroffenen zu Hause. Dabei werden z.B. sowohl Tipps für die Pflege als auch für das Ausfüllen von Anträgen gegeben.· Die Dienste der Fachstelle und Krankenkassen stehen kostenlos zur Verfügung.
Kurse: Dazu kann Kontakt zum BRK oder auch zu den Krankenkassen der Stadt aufgenommen werden, da diese Kurse für Angehörige, Nachbarn oder Freunde von Pflegebedürftigen anbieten. Vielleicht würde sich auch der im Ort vorhandene private ambulante Pflegedienst beteiligen.
· Diese bieten verschiedene Module an, die je nach Bedarf vorgestellt werden. Beispielsweise die rechtlichen Grundlagen, Maßnahmen in der Pflege oder auch Verhalten in Notfällen.· Wichtig ist dabei auch, dass die Betroffenen lernen selbst gesund zu bleiben, wie sie z.B. den eigenen Körper schonen, wenn ein Pflegebedürftiger gehoben oder gewickelt werden muss. · Stattfinden können die Kurse wiederum im Schulgebäude.· Diese Kurse werden von vielen Trägern kostenlos angeboten.
Selbsthilfegruppe:Vielleicht findet sich unter den Betroffenen auch eine Person, die eine Selbsthilfegruppe initiieren möchte. Dort könnten sich die pflegenden Angehörigen einmal wöchentlich treffen und sich über ihre Erfahrungen austauschen. Dadurch können sie erkennen dass sie nicht allein in ihrer Situation sind und finden vielleicht auch Lösungen für manche Probleme. Auch kann sich durch die Selbsthilfegruppe ein Netz entwickeln, durch dass sich die Betroffenen bei der Pflege auch mal gegenseitig unterstützen oder aushelfen können. Dazu würde sich ein Raum im Feuerwehrhaus eignen, da dieser bereits in ähnlicher Art genutzt wird und dadurch schon passend eingerichtet ist.
Nachbarschaftliches Netz:Verschiedene Gemeindemitglieder die pflegende Angehörige unterstützen möchten, finden sich zusammen und bieten ihre Hilfe an. Zum einen können sie den Betroffenen zu Hause helfen, wie etwa kurz auf den Pflegebedürftigen zu achten wenn der Angehörige etwa einen Termin hat. Auch könnten sich mehrere Personen zusammenfinden, und circa einmal in der Woche eine Gruppe anbieten, zu der Pflegebedürftige kommen dürfen und je nach Wünsch verschiedene Angebote durchgeführt werden. In diesen paar Stunden könnten Angehörige z.B. wichtige Angelegenheiten erledigen oder auch etwas entspannen. Für die Ausgaben könnte eventuell auf dem alljährlichen kleinen Weihnachtsmarkt gesammelt werden oder auch Vereine oder Betriebe könnten etwas spenden. Als Räumlichkeit könnte das Pfarrheim dienen, da dort die Gegebenheiten sehr gut sind, da es behindertengerecht ausgestattet ist, und z.B. auch Rollstühle problemlos und barrierefrei bewegt werden können.
Nach einiger Zeit findet eine Evaluation statt. Dabei wird durch Umfragen herausgefunden, welche Angebote sich noch gewünscht werden, welche weiter bestehen können und was vielleicht auch nicht mehr gebraucht wird.
Idealvorstellung
· Viele Personen bieten Angebote an und die Beteiligung daran ist groß.· Pflegende Angehörige werden bei ihren Aufgaben bzw. in ihrer Situation entlastet. · Die Menschen der Gemeinde beschäftigen sich mit dem Thema und esentsteht mehr Offenheit und Kommunikation darüber, wodurch es nicht mehr als selbstverständlich oder einfach angesehen wird, wenn Pflegebedürftige von Angehörigen gepflegt werden. · Es werden immer wieder neue Angebote geschaffen, und das Projekt kann lange bestehen.

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