1. Ausgangssituation / Problemanalyse
Der Bürgermeister des Ortes X beauftragt einen Community Organizer sich folgender Situation anzunehmen:
Der Ort X hat ca. 1600 Einwohner was nach den Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung ca. 800 Haushalten entspricht. Unter den Einwohnern leben geschätzt 200 Hunde.
Die meisten Hundebesitzer gehen mit ihren Hunden im Dorf und den umliegenden Feldern spazieren.

Beim Spazierengehen im Dorf passiert es nicht selten, dass die Hunde, im Garten oder freilaufend aggressiv aufeinandertreffen, knurren und laut bellen. Das Gleiche ist auf dem freien Feld zu beobachten. Freilaufende Hunde und Hunde an Zip-Leinen bedrängen angeleinte Hunde und deren Begleitung, angeleinte Hunde machen sich, einen hilflosen Halter hinter sich herziehend, zum Der-will-doch-nur-spielen-Angriff bereit. Nun könnte man die Meinung vertreten, die Hunde regelten dies untereinander, wenn nicht die dazugehörigen Frauchen und Herrchen wären.

Diese neigen in den meisten Fällen dazu, den anderen Hund und dessen Besitzer/in für den unfreundlichen Zusammenstoß verantwortlich zu machen. So ist mancher Hund im Dorf unter den anderen Hundebesitzern im Verruf „schlecht erzogen“ zu sein, wobei als Ursache die Unwissenheit und ungenügenden Erziehungsmaßnahmen des Besitzers schnell mit eigener fachmännischer Kenntnis identifiziert und analysiert wird. Trifft man unabhängig voneinander zwei „verfeindete“ Parteien sind die Berichte über die Zusammentreffen was die Bösartigkeit des anderen Hundes und die Unfähigkeit des Hundebelgeiters betrifft, nahezu identisch, nur die Namen müssen ausgetauscht werden.

In Anbetracht der Anzahl der Hunde und der dazugehörigen Besitzer, dessen Familien, Freunden und Bekannten ist die subjektiv negative Beeinflussung des Dorfklimas immens. Nicht wenige Dorfbewohner kennen sich nur als „Das ist doch „der/die“ mit „dem (blöden)“ Hund.
  1. Ziele
Ziele des Hundekindergartens sind folgende:
  • Die Hunde lernen sich gegenseitig in Ruhe kennen und unangenehme Zusammenstöße auf offener Straße werden weniger.
  • Die Hunde können sich auf einem gesicherten Gelände austoben.
  • Hunde müssen nicht alleine Zuhause bleiben, sondern können im Hundekindergarten betreut werden.
  • Die Hundebesitzer lernen sich kennen, Treffen beim Spazierengehen verlaufen harmonischer.
  • Die Hundebesitzer können sich über Hundebelange austauschen.
  • Menschen ohne Hund können über Besuche im Cafè (es wäre das einizige Cafè im Dorf) Hunde und Hundebesitzer kennenlernen, Vorurteile abbauen und Kontakt zu den Tieren aufbauen, was auf Menschen einen positiven Einfluss hat.
  • Es finden sich Kontakte für gegenseitiges Hundesitting außerhalb der Öffnungszeiten.
  1. Umsetzungsstrategie
Um den Hundekindergarten umsetzen zu können wird folgende Strategie verfolgt:
    1. Aktive Befragung
Der Communitiy Organizer und dessen studentischen Hilfskräfte oder Praktikanten werden möglichst alle Hundebesitzer des Dorfes in Form einer aktiven Befragung über ihre Probleme und Wünsche in Zusammenhang mit ihrem Hund interviewen um so die Stimmung im Dorf aufzunehmen. Das Ergebnis der Befragung wird anschließend analysiert. Die aktive Befragung hat zum Ziel die Menschen zur aktiven Mitarbeit und Mitgestaltung des Projektes anzuregen und ihre eigenen Ideen einzubringen.
    1. Zukunftswerkstatt
Es werden alle Teilnehmer der Befragung in eine Zukunftswerkstatt eingeladen. Sollten sich unerwartet viele Menschen zur Teilnahme anmelden, wäre über eine andere Methodik nachzudenken evt. ein Open Space. In der Zukunftswerkstatt werden nachstehende Punkte diskutiert:
      1. Probleme
In der Zukunftswerkstatt werden alle individuellen, persönlichen Probleme des einzelnen Hundehalters in Bezug auf die Ausgangssituation (in Punkt 1 beschrieben) angesprochen, festgehalten und protokolliert um danach Überlegungen einer positiven Wendung anzustrengen:
      1. Positive Wendung
Wenn sich Hund und Hundebesitzer auf der Strasse mit anderen Hunden treffen können sie sich entspannt unterhalten und sind sich positiv gestimmt. Auch andere Spaziergänger und Dorfbewohner (auch Radfahrer und Autofahrer) können mit einem freundlichen Wort oder einem freundlichen Gebell begrüßt werden. Am Hundespielplatz des Hundekindergarten e.V. finden gesellige Treffen statt. Nachbarn werden zu Freunden. Hunde, die andere Hunde und Menschen aggressiv anbellen und anspringen gehören der Vergangenheit an.
      1. Utopie
Wir leben in einem Dorf, in dem sich Hunde und Menschen frei bewegen können, das Dorf ist eine verkehrsberuhigte Zone. Hunde, deren Besitzer keine Zeit hat werden selbstverständlich von anderen Dorfbewohnern betreut. Kinder spielen miteinander (ohne Computer und Gameboy) und mit den Hunden, die Hunde vertragen sich auch mit den Katzen des Nachbarn. Jeder respektiert die jeweilige Philosopie der Hundeschule des Anderen, alle Menschen einigen sich auf einen respektvollen, freundlichen, lobenden Umgang mit den Tieren, ohne diese anzuschreien oder mit Befehlen (Platz! Sitz! NEIN!) anzufauchen.
    1. Hundekindergarten e.V. – eine grobe Planung:
Teilnehmer der Zukunftswerkstatt gründen einen Verein „Hundekindergarten e.V.“
Grundstück ca. 1 ha gemeindeeigenes Land wird günstig an den Verein verpachtet.
Vereinsheim ca. 200 qm mit Cafè für ca. 30 Besucher und Räume für die Hunde.
Mitarbeiter: Ehrenamtliche Vereinsmitglieder und Studenten auf Mini-Job-Basis übernehmen die Hundebetreuung und das Cafè
In Zusammenarbeit mit Tierschutzorganisationen (z.B. Tierhilfe e.V.) engagiert sich der Verein für Tierschutz.
Die Platzwartung wird von den Gemeindearbeitern übernommen.

Ergebnis der Zukunftswerkstatt:
Der erste Termin ist Anfang Juli angesetzt es folgen weitere Termine mit den freiwillig beteiligten Einwohnern. Die in die Aufgaben eingebunden werden.
In der nächsten Ausgabe des örtlichen Gemeindeblattes erscheint ein Bericht über die Planung und ein Aufruf sich an den Planung zu beteiligen, Kontaktdaten werden veröffentlicht.
Ein Teilnehmer kümmert sich freiwillig um die Erstellung einer Internetseite und verfasst monatlich einen Newsletter an die Teilnehmer der Befragung mit dem Stand der Dinge.
Die Teilnehmer möchten die Innenausstattung des Vereinsheimes selbstständig organisieren und das Vereinsheim einrichten.
Es finden sich schon Freiwillige, die gerne den Dienst im Hundekindergarten übernehmen.
    1. Finanzierung
Um die Unterhaltskosten des Vereinsheimes und die Bezahlung der Studenten und Spesen für ehrenamtliche Mitglieder begleichen zu können werden folgende Finanzierungen vereinbart:
      1. Mitgliederbeiträge / Nutzungskosten
Mitglieder im Hundekindergarten e.V. zahlen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 30,00 €.
Hundebetreuung (der Hund bleibt ohne Besitzer im Hundekindergarten):
1 Stunde je 1 €
Monatsbeitrag 88 €: tägliche Betreuung von 5 – 7 Stunden (ab der 8. Stunde je 1 €)
      1. Spenden
Es finden im Jahr mindestens 2 Veranstaltungen (z.B. Sommerfest und Weihnachtsmarkt) mit Tombola und Losverkauf statt, ebenso wird ein guter Kontakt zu den ortsansässigen Firmen und den Arbeitgebern der Mitglieder gepflegt, sodass gerne gespendet wird. Im Anzeiger des Ortes wird die Bevölkerung zu Spenden animiert.
Den Bau und die Planung des Vereinsheimes sponsert ein ortsansässiger Biogasanlagenbetreiber, der Jäger und Hundeliebhaber ist und dem die gute Stimmung im Ort schon immer am Herzen liegt.
      1. Cafè
Das Hundekindergarten-Cafè ist täglich Nachmittags bis Abends und an Sonntagen ab 10.00 Uhr geöffnet. Die Einnahmen kommen dem Verein zugute.
      1. Hundesteuer / Subvention über die Gemeinde
Derzeit wird im Ort keine Hundesteuer erhoben. Zugunsten des Vereines wird der Bürgermeister diese wieder einführen.
Sollten dem Verein die Einnahmen nicht ausreichen, ist die Gemeinde gerne bereit, sich an den Kosten zu beteiligen.
  1. Zeitplan
Vom ersten Interview bis zur Eröffnungsfeier wird ein Jahr eingeplant,
die Eröffnungsfeier findet zum 1.Mai 2014 statt.

Studenten:
3 Studenten führen Interviews: 2 Wochen
Auswertung der Interviews: 4 Wochen

Communitiy Organizer:
Führt zeitgleich Gespräche mit Sponsoren, Gemeinde (Bürgermeister), Kooperationspartner (Tierhilfe e.V.)

Zukunftswerkstatt (aktivierte freiwillige Einwohner):
Der erste Termin der Zukunftswerkstatt ist Anfang Juli.
Internetseite wird veröffentlicht: 1. August 2013
1. Veröffentlichung im Gemeindeblatt: Augustausgabe
Allen Teilnehmern der Befragung wird jeden Monatsanfang eine Newsletter-eMail versandt.
Einrichtung des Vereinsheimes: ab 15. März 2014
Planung der Eröffnungsfeier: ab 15. März 2014
Gestaltung der Außenanlage unter Mithilfe der Gemeindearbeiter: ab Ende der Frostperiode

Bau des Vereinsheimes organisiert durch Sponsor und Gemeinde:
Baubeginn: 15. September 2013
Baufertigstellung: 1. Dezember 2013
Fertigstellung Innenausbau: 15. März 2014

Einladungen an die Dorfbewohner und die angrenzenden Gemeinden werden versandt: 1. April 2014

Eröffnungsfeier: 1. Mai 2014

  1. Kosten
Der Community Organizer (CO) ist ein Freiberufler, der einen Stundensatz von 75,00 € veranschlagt.
In diesem Stundensatz sind alle anfallenden Kosten und Spesen enthalten, auch die Finanzierung der Studenten und Praktikanten.
In den ersten Monaten fallen ca. 160 Stunden für den CO an:
In den Sommermonaten organisiert die „Zukunftswerkstatt“ nahezu selbstständig alle anfallenden Dinge und der CO ist nur sporadisch tätig, ca. 10 Stunden.
Ab März 2014 ist der CO wieder häufiger, ca. 80 Stunden im Einsatz bis am 1. Mai der Hundekindergarten e.V. an die Vereinsleitung offiziell übergeben wird.

Der Community Organizer würde im Kostenvoranschlag einen Aufwand von 250 Stunden á 75,00 € = 18750 € für seine Arbeit angeben.

  1. Literatur

Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61584/bevoelkerung-und-haushalte, zuletzt geprüft am 30.04.2013

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