Marion Kuck

1. Einführung

Meine Zielgruppe für einen aktivierenden Gemeindeprozess ist eine Hochhaussiedlung mit vier Häusern a 100 Wohnungen. Von Großfamilien, zu Rentnern- oder Singlehaushalten sind hier alle Gruppen vertreten.

Es ist ein Plattenbau aus den 60er Jahren. Zu diesen Häusern gehört ein Spielplatz der seine besten Jahre schon hinter sich hat und von den Kindern nicht mehr genutzt wird, nun treffen sich dort die Jugendlichen, was ihn weiter verdreckt und noch unattraktiver für die Familien werden lässt.

Die unterschiedlichen Generationen kennen sich untereinander kaum und auch von Haus zu Haus oder sogar von Etage zu Etage besteht sehr wenig Kontakt zwischen den Bewohnern.

Es gibt eine große unbebaute Grünfläche, die sich als Platz für ein gemeinsames Projekt des Häuserblockes sehr gut eignen würde. Aber auch die Bauten selbst haben eine Renovierung nötig und könnten mit guten Ideen der Bewohner/innen verschönert werden.


2. Aktivierende Befragung

Um die Bewohner auf meine Arbeit als Sozialarbeiterin aufmerksam zu machen und sie zu beteiligen, wird eine Befragung durchgeführt. Den Anwohnern wird eine einzige Frage gestellt: „Was möchten Sie an ihrem Haus verändert haben, was wünschen Sie sich, um ihr Wohnen zu verschönern?“.

Durch diese Frage wird eine Richtung des Gespräches vorgegeben, es ist jedoch immer noch offen und niemand wird gezwungen über etwas zu reden, worüber er sich nicht unterhalten möchte.

Diese Befragung dient auch der Kontrolle meiner Absichten, ob denn diese auch von den Anwohnern geteilt wird, oder ob sie gar keinen Handlungsbedarf sehen.
Zeigen sich hier schon sehr begeisterte, motivierte Bewohner, können diese nun in die Planung für den nächsten Schritt eingebunden werden. Es muss ein Raum für die Open Space Veranstaltung gefunden werden, für Essen und Trinken gesorgt und die Materialien vorbereitet werden.


3. „Open Space“

Für diese Veranstaltung wird ein Raum gemietet, wo sich alle Bewohner treffen können, um sich über die Gestaltung des Wohnviertels auszutauschen. Hierfür werden Einladungen verschickt, persönlich jeder darauf hingewiesen und noch einmal eingeladen, sich daran zu beteiligen.
Am Tag der Veranstaltung werden alle Teilnehmer begrüßt und in die einzige Regel dieser Unterhaltung eingeführt. Die Teilnehmer bilden einen Kreis und in der Mitte werden Blätter und Stifte verteilt. Die Bewohner die teilnehmen, haben die Möglichkeit, in die Mitte des Kreises zu gehen und ihre Anliegen zu nennen. Etwas, das auf den Nägeln brennt, am Herzen liegt, wofür Bereitschaft besteht, Verantwortung zu übernehmen und an dem mit anderen gearbeitet werden soll. Es muss sich nicht unbedingt an das Thema der Einladung „Gestalte deine Wohnsiedlung“ orientieren, jedes Thema ist erwünscht und kann dann in Gruppen besprochen werden.

Weiter wird erklärt das man sich frei bewegen kann und wenn man keine Lust mehr hat auch einfach an keinem Gespräch teilnehmen oder nur von einem Thema zum nächsten wandern und überall nur zu hören.
Hierbei könnten sich folgende Punkte, die verbessert gehören, herausgearbeitet worden sein:
Spielplatz erneuern
Fassade streichen
Einzelne renovierungsbedürftige Teile des Hauses erneuern
Eine Mieterzentrale einrichten, um den Kontakt zum Vermieter zu verbessern (kürzere Wege für Anliegen schaffen)
Die Grünfläche hinter den Häusern nutzen können, durch den Bau eines Grills und Sitzmöglichkeiten

Diese Veranstaltung wurde auf einen Samstagnachmittag angelegt um jeden die Chance zu geben daran teilzunehmen.
Auch ist es nicht so lange wie gewöhnlich (2 Tage), sondern nur einen Nachmittag um sich der Hauptklientel den Eltern und Senioren anzupassen.


4. Ergebnis

Durch stetes Austauschen mit den Bewohnern und der Nutzung der Kontakte zu Stadt und Vermieter, können die vorgeschlagenen Ziele versucht werden in die Tat umzusetzen.
Die Bewohner zeigen großes Interesse an einer Veränderung und auch der Wandel zu einer Kinderfreundlicheren Umgebung wird von allen Beteiligten begrüßt, somit wird als erstes der Umbau des Spielplatzes in Angriff genommen, ebenso wie der Bau des Grills und der Sitzmöglichkeiten.
Hierfür haben sich die Anwohner Sponsoren gesucht und die Baufirmen als Unterstützer ins Boot geholt.
Es wird ein Gemeinschaftsprojekt, bei welchem jeder seiner Fähigkeiten passend sich beteiligt, egal aus welchem Haus oder Etage, ob Jung oder Alt.
Zum Abschluss dieser ersten erfolgreichen Umsetzung eines Projekts der „Community“ wird der Grillplatz eingeweiht durch ein Fest, das die Anwohner selbst organisiert haben und welches sie jedes Jahr wiederholen wollen, als Sommernachtsfest.

Es hat sich eine Gruppe aktiver Anwohner gebildet, die mit Hilfe der Stadt und anderen Ämtern und der restlichen Bewohner auch weitere Projekte umsetzten wollen und sich regelmäßig bei einem sog. „Stammtisch“ treffen.

Aus dem tristen Häuserblock, der sehr viel Anonymität ausstrahlte wurde eine kleine Gemeinschaft, die jeden neuen Mieter herzlich aufnimmt und den Kontakt zu Vermieter und Stadt pflegt um das Wohnen schöner und angeregter zu gestalten.

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