Konzept zur Aufwertung einer Hauptschule im Berliner Stadtteil Neukölln
In keiner anderen deutschen Stadt sind die Bildungsergebnisse so schlecht wie in Berlin. Der Zustand in vielen Schulen ist dahingehend katastrophal, dass für die Schüler alles andere als eine lernfreundliche Atmosphäre herrscht, in der man sich wohlfühlt. Gerade in Stadtteilen wie Neukölln sind Schulen oft graue Betonklötze mit heruntergekommener Einrichtung und allgemein wenig ansprechendem Inneren und Äußeren. Der hohe Ausländeranteil ist problematisch, viele Schüler sprechen sehr schlecht Deutsch, Prügeleien sind an der Tagesordnung.

In dem Buch „Isch geh Schulhof“ von Philipp Möller beschreibt der Autor seinen Alltag an einer solchen Schule. Das Buch hat mich, um ehrlich zu sein, ziemlich geschockt und ich habe mir beim Lesen des Öfteren die Frage gestellt, wie Kinder in einer solchen Umgebung gut lernen sollen und einen gewissen Spaß daran, in die Schule zu gehen, aufbringen sollen. Deshalb habe ich mich für eine Berliner Schule als Objekt meines Konzeptes für ein Projekt zu Community Organizing entschieden. Dass der Ausländeranteil gesenkt wird und die Abschlüsse besser werden, möchte ich nicht erreichen, sondern Ziel meines Konzeptes wird es sein, die Schule in einen Ort zu verwandeln, an den man gerne kommt, einen Ort, an dem Lernen in einer anregenden, freundlichen Umgebung stattfindet, die die Schüler nach eigenen Wünschen und Vorstellungen gemeinsam gestalten.

Die Schülerschaft gilt dabei als meine „Community“, die mithilfe von durch mich als Sozialpädagogin initiierten aktivierenden Prozessen ihre Schule schöner macht. Ich werde mit dem Tool „Zukunftswerkstatt“ arbeiten. Um eine Gruppe von angemessener Größe und für die Schülerschaft repräsentativem Charakter zusammenzustellen, gehe ich am Anfang in jede einzelne Klasse, erläutere kurz mein Vorhaben und suche mir jeweils mindestens zwei Schüler aus den Klassen 1 bis 9, die sich bereit erklären und Lust darauf haben, an dem Projekt mitzuarbeiten.
Mit diesen Schülern wird sich nun zusammengesetzt und die Zukunftswerkstatt wird gestartet. Bestenfalls ist auch der Schulleiter anwesend, um gleich abklären zu können, was wirklich umgesetzt werden könnte.

  1. Analyse der Ausgangslage
In einem ersten Schritt werden alle Gruppenmitglieder dazu befragt, welche Probleme es aus ihrer Sicht an der Schule gibt. Dabei könnten folgende Ergebnisse möglich sein:
  • Hohes Gewaltpotenzial, vor allem in den Pausen
  • Jüngere und ältere Schüler haben keinerlei Kontakt zueinander
  • Zusammenhalt in den Klassen fehlt; Grüppchenbildung
  • Das Erscheinungsbild der Schule ist trist und grau; der Eingangsbereich mit seinen grauen Betonwänden ist alles andere als ansehnlich
  • Schulgarten und Pausenhof werden nicht gern genutzt, weil sie ungepflegt sind und weil es zu wenig Sitzmöglichkeiten gibt
  • Uralte Möbel in den Klassenzimmern; Klassenzimmer allgemein sehr ungemütlich und kahl

Positive Wendung:
Die Schule soll soweit verbessert werden, dass sich die Schüler dort wieder wohler fühlen und gerne hingehen


  1. Utopie - Was würden sich die Schüler konkret an Verbesserungen wünschen? Was wäre der Idealfall?

  • Aktivitäten zur Stärkung der Klassen- und Schulgemeinschaft
  • Vermeidung von Streit und Prügeleien
  • Gestaltung der grauen Wand im Eingangsbereich
  • Obststräucher und Gemüsebeete im Schulgarten, sowie Platz zum Fußballspielen
  • Regelmäßige Reinigung des Pausenhofes und Ausstattung des Pausenhofes mit Bänken; evtl. Aufstellen von wetterfesten Tischtennisplatten zum Austoben in den Pausen
  • Umgestaltung der Klassenzimmer Pflanzen, neue Möbel, Farbe und Bilder an den Wänden

  1. Strategien zur Umsetzung
Die Schüler werden nun dazu angeregt, sich in Kleingruppen zusammenfinden und zu jeweils einem Thema aus Punkt 2. Strategien für dessen Umsetzung zu erarbeiten. Die Gruppen werden so gebildet, dass jahrgangs- und klassenübergreifendes Arbeiten gewährleistet ist, um die Vorstellungen unterschiedlicher Altersgruppen miteinander kombinieren zu können. Im Folgenden ist der jeweilige Idealfall genannt und im Anschluss daran Möglichkeiten, wie man das Ziel erreichen könnte:
  • Klassengemeinschaft:
Regelmäßiges Abhalten eines Klassenrates jeder kann Anliegen vorbringen, die dann gemeinsam besprochen werden; danach noch Spiele zur Stärkung des Zusammenhaltes
  • Schulgemeinschaft:
Tutorien jeder Schüler aus der 8. Klasse übernimmt jeweils einen Fünftklässler, den er dann für 2 Jahre begleitet, ihm in der Anfangsphase an der neuen Schule zur Seite steht und ihn in schulischen Belangen wenn möglich unterstützt
  • Gewalt:
Einführung von „Streitschlichter-Teams“, die in den Pausen eingesetzt werden Einarbeitung durch Schulungen, die von Sozialpädagogen durchgeführt werden

  • Wand im Eingangsbereich:
eher Aufgabe der höheren Klassen im Kunstunterricht Erarbeitung mehrerer Vorschläge für ein großflächiges Graffiti, das später aufgesprüht werden soll; danach Abstimmung in der ganzen Schule, welches Graffiti letztendlich an die Wand kommt
  • Schulgarten:
Gründung einer AG, die sich um die Anpflanzung von Obststräuchern und das Anlegen von Gemüsebeeten kümmert und diese dann regelmäßig pflegt
  • Pausenhof:
  • Einführung eines Pausendienstes jede Woche ist eine andere Klasse an der Reihe, die dafür zuständig ist, nach der Pause den Müll im Pausenhof aufzusammeln
  • Anfrage an örtliche Schreiner wegen Bänken und Tischen handwerklich begabte Schüler helfen beim Bau mit (evtl. anstelle von normalem Werkunterricht)
  • Anfrage an Schulleiter und Elternbeirat wegen Geld für Tischtennisplatten; Veranstaltung einer Spendenaktion
  • Klassenzimmer:
  • Kinder können Pflanzen für die Fensterbänke von zu Hause mitbringen
  • Streichen der Klassenzimmer als Elternaktion
  • Anfrage an Schulleiter, Elternbeirat und ortsansässige Firmen wegen Geld für neue Möbel in den Klassenzimmern

  1. Reflexion
Während der Umsetzungsphase, die nun startet, wird bei regelmäßigen Treffen der ursprünglichen Gruppe besprochen, was gut, und was eher nicht so gut vorangeht. Gegebenenfalls werden Verbessrungsvorschläge erarbeitet. Als erfolgreich wird das Projekt dann angesehen, wenn die Mehrheit der Schüler positiv von den Veränderungen profitieren kann, in dem Sinne, dass es wieder Spaß macht, in die Schule zu kommen.

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