Generationenlücke um Jugendtreff

Schließen der Generationenlücke im Jugendtreff

Ausgangslage:
In einer kleinen Gemeinde in Unterfranken gibt es seit einigen Jahren einen Jugendtreff, welcher zunächst provisorisch in Containern untergebracht wurde. Aus dieser aus dieser Übergangslösung wurde aus verschiedenen Gründen eine dauerhafte Lösung. Die offizielle Verlautbarung ist, das kein Geld für den Umzug des Jugendtreffs in ein richtiges Gebäude zur Verfügung steht. Gleichzeitig stehen im Ortskern einige Gebäude bzw. Teile von Gebäuden, ehemalige Unternehmen, leer.
Der Ort liegt im direkten Einzugsbereich einer größeren Stadt.
Der Jugendtreff hat in Teilen der Bevölkerung einen eher schlechten Ruf. Gerade in der Anfangszeit ging es dort „hoch her“. Andere Teile der Bevölkerung kennen den Jugendtreff gar nicht. So konnte bei einer Diskussion auf einem sozialen Netzwerk die Beschwerde gelesen werden, dass es in der Gemeinde gar keinen Ort wie einen Treffpunkt für Kinder und Jugendliche gäbe.
Im Jugendtreff selbst ist gerade eine Generationenlücke entstanden und der Besuch eher spärlich. Die Menschen, die ihn benutzen, sind fast ausschließlich fast volljährig oder älter. Sie äußern regelmäßig Unmut über die Enge und damit verbundene spärliche Ausstattung. Der Wunsch nach einem Flipper wird wegen Platzmangels nicht umgesetzt.

Der Auftrag:
Primärer Auftrag ist es, die Auslastung des Jugendtreffs zu erhöhen und dabei die Altersstruktur der BesucherInnen nach unten (ab 12) zu bringen, am besten in einer guten Mischung. Also: für „Nachwuchs“ zu sorgen.

Möglichkeit einer Umsetzung des Auftrages:

Grundlegend: Man kann keine bestimmte Gruppe zu einem bestimmten Angebot zwingen. Daher ist Ansatz zur Umsetzung des Auftrages die Aufwertung des Jugendtreffs an sich. Umso höher die Attraktivität des Angebots, desto eher wird die angepeilte Zielgruppe das Angebot nutzen. Trotzdem ist darauf zu achten, dass in allen Phasen der Umsetzung auch Menschen der angepeilten Zielgruppe partizipieren.

1. Informationsbeschaffung
Im ersten Schritt müssen möglichst detaillierte Informationen zur tatsächlichen Situation der Kinder- und Jugendarbeit der Kommune, der sozialen Infrastruktur und bereits geplanten Maßnahmen für diese Bereiche eingeholt werden. Hierzu werden Gespräche direkt im Rathaus und bei anderen Schlüsselpersonen der Gemeinde geführt. Diese Informationen dienen u.a. dazu, den Fragebogen im nächsten Schritt besser entwickeln zu können.

2. Befragung der Bevölkerung

Es soll eine Befragung mit Fragebogen der Bevölkerung des Ortes durchgeführt werden. Die Fragebögen sollen sowohl quantitativ als auch qualitativ auswertbare Items enthalten. Themenbereiche sind:
  • Die allgemeine Kinder und Jugendarbeit der Kommune
  • Kenntnisse über Angebote für Kinder und Jugendliche in der Gemeinde insgesamt
  • Meinungen und Kenntnisse zum Jugendtreff
  • Wünsche und Anregungen zu den genannten Themenbereichen

Durchgeführt werden kann die Befragung auf verschiedene Arten:
  • Aufstellen von Ständen an zentralen Punkten der Gemeinde, wie beispielsweise dem Supermarkt, bei Sportveranstaltungen, im Innenort/ -markt.
  • Durch Beilegen des Fragebogens zur örtlichen, alle 2 Monate erscheinenden Marktzeitung
Gleichzeitig wird mit dem Fragebogen der Termin der Zukunftswerkstatt bekannt gegeben und es soll Interesse an der Thematik geschaffen werden.
Es wird die gesamte Bevölkerung befragt, da der Besuch eines Jugendtreffs oft nicht von den Jugendlichen alleine abhängt. Auch ihr Umfeld nimmt Einfluss und kann u.U. auch einen Besuch verhindern. Außerdem ist es sehr interessant zu sehen, welche Ausgestaltung sich verschiedene Generationen wünschen, bzw. ob es hierzu auffallende Unterschiede zwischen den Generationen gibt.

3. Durchführung einer Zukunftswerkstatt zum Thema „Entwicklung des kommunalen Kinder- und Jugendarbeit und des Jugendtreffs“


Nach Auswertung der Fragebögen wird eine Zukunftswerkstatt durchgeführt. Diese Werkstatt soll sich über ein Wochenende erstrecken. Nicht länger, da so mehr Menschen an der gesamten Zukunftswerkstatt teilnehmen können. Die Werkstatt findet im Marktsaal statt.

Neben den grundlegenden Bausteinen einer Gruppenaktivität sind bei der Zukunftswerkstatt 3 Phasen einzuhalten.



  • Kritikphase

Hier dürfen alle Gedanken zum Thema geäußert werden. Kritik ist hier nicht nur negativ zu sehen. Es darf auch gewürdigt werden und es erfolgt eine vollkommene Bestandsaufnahme.
Mögliche Äußerungen (beispielhaft)
  • Der Jugendtreff ist schön/ hässlich
  • Der Jugendtreff ist gut/ schlecht ausgestattet
  • Das Personal ist gut/ schlecht
  • Der Jugendtreff ist häufig/ zu selten geöffnet
  • Es gibt Jugendtreff, Vereine, Nachmittagsbetreuung…
  • Die Jugendlichen sind immer so laut und auffällig

  • Utopie
In dieser Phase sollen die TeilnehmerInnen die absoluten Traumvorstellungen zur Thematik äußern. Es gelten hierbei keine Grenzen, weder organisatorisch, finanziell oder sonstiger Art. Dabei ist das beschneiden von Vorstellungen wegen Unmöglichkeit verboten.
Mögliche Utopien (beispielhaft)
  • Es gibt regelmäßig Konzerte.
  • Ein richtiges Gebäude, gut isoliert und ausgestattet
  • Regelmäßige Ausflüge während der Treff trotzdem geöffnet bleibt.
  • Der Jugendtreff soll abgeschafft werden.

  • Gegenüberstellung und Verwirklichung
In dieser Phase sollen Bestand und Utopie verglichen werden und eine realisierbare Umsetzung entwickelt werden. Welche Teile aus welchen Utopievorstellungen sind umsetzbar? In dieser Phase können auch Fachleute z.B. zum Thema Finanzierung hinzugezogen werden.
Probleme in dieser Phase können sein: wie verbindlich will man wirklich werden. Welche Kompromisse sind die TeilnehmerInnen bereit einzugehen. Wo arbeiten welche TeilnehmerInnen selbst mit.

  1. Konkrete Umsetzung der Ergebnisse der Zukunftswerkstatt
Was hier alles zu tun ist kann hier nicht komplett behandelt werden, es könnte aber beispielsweise bei direktem Bezug auf den Jugendtreff bedeuten:
  • Durchführung von gewünschten Aktivitäten im Rahmen des Jugendtreffs durch das dortige pädagogische Personal
  • Veränderung der Räumlichkeiten in Zusammenarbeit mit der Kommune, Architekten
  • Sicherstellen der Finanzierung durch die Kommune, Stiftungen, Sponsoren usw.
  • Bewerben des Jugendtreffs und der neuen Entwicklung


Wann gilt der Auftrag als erfolgreich bestritten (im direkten Bezug auf den Jugendtreff):

Primär:
  • Es finden sich wieder jüngere Menschen ab 12 im Jugendtreff ein und nutzen ihn regelmäßig. Das Angebot ist so gestaltet, dass es eine Rotation im Alter gibt und keine neue Lücke entsteht.

Sekundär:
  • Der Jugendtreff bekommt wieder ein höheres Ansehen im der Gemeinde.
  • Der Jugendtreff wird generell attraktiver, beispielsweise durch Umzug in ein richtiges Haus.

Add Discussion