Andrea Kramer

Inklusionsprojekt einer Wohngruppe für psychisch kranke Menschen

Eröffnung eines Bioladens im eigenen Wohnhaus mit Brotzeitservice, Pachtung von Grünflächen für den Anbau von Biogemüse


Auftrag: Berufliche Reintegration in ein teilgeschütztes und geschütztes Arbeitsumfeld mit sozialpädagogischer Begleitung

1. Schritt: Situationsanalyse


    • Situation in einer größeren Wohngruppe für psychisch kranke Menschen: Die Bemühungen der Sozialpädagogen und Verantwortlichen einer Wohngruppe für psychisch kranke Menschen, diese in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren scheitern immer wieder. Die Bewohner sind den Anforderungen und dem Druck der in Frage kommenden Firmen nicht gewachsen und erleben so immer wieder große Enttäuschungen. Auch die teilweisen weiten Strecken zu den einzelnen Arbeitsstätten verursachen Probleme. Da die Bewohner teilweise öffentliche Verkehrsmittel nicht nutzen können, entstehen hohe Transportkosten. Auch ist es für manche Bewohner schwer, aufgrund ihrer psychischen Erkrankung dauerhaft mit anderen Menschen eng zusammenzuarbeiten.

    • Analyse des Stadtviertels: Im Stadtviertel, in der sich das Wohnhaus der Gruppe befindet, sind keine erkennbaren, persönlichen Verbindungen der direkten Nachbarschaft zu der Einrichtung erkennbar. Versuche, mit dem Wohnumfeld dauerhaft in Kontakt zu kommen, sind bisher nicht gefruchtet. Das große Haus mit vielen leer stehenden Räumen liegt zentral in einem Gewerbemischgebiet, mit relativ gleichem Anteil an Familien, älteren Personen und auch sozialem Wohnungsbau. Daran angegliedert ist ein kleines gewerbliches Industriegebiet. Es gibt nur wenige Einkaufsmöglichkeiten im näheren Umfeld. Ein großes Einkaufszentrum kann nur mit dem Auto, bzw. Bus erreicht werden. Problem: Wie nutzt man Ressourcen, die in der Nachbarschaft liegen?

    • Analyse von Arbeitsmöglichkeiten: Anfragen der Einrichtung an verschiedene Firmen wegen Praktikumsplätze für die Bewohner des Hauses sind generell schwierig. Die Verantwortlichen in Unternehmen haben wegen den unterschiedlichen psychischen Erkrankungen große Vorbehalte bei der Vergabe von Praktikumsplätzen und augenscheinlich auch Wissenslücken, was die einzelnen Ausprägungen angeht. Problem: Wie können die Firmen positive Erfahrungen mit den Bewohnern des Wohnheims machen?

    • Situation der Sozialpädagogen und Betreuer im Wohnheim: Für die Sozialpädagogen und Betreuer ist die Arbeit oft angespannt und geht an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Die Probleme, eine sinnvolle Tätigkeit für die Bewohner zu finden, bzw. die Suche nach geeigneten Arbeitsplätzen nimmt die meiste Zeit in Anspruch und fordert von den Verantwortlichen große emotionale Hilfe für die Menschen. Den Sozialpädagogen fehlt oft die Zeit, sich mit den einzelnen Problemen auseinanderzusetzen. Oft werden die verschiedenen Möglichkeiten besprochen, viele der Bewohner optimal in gute Arbeitssituationen zu bringen und auch dort flexibel nach deren Bedürfnissen zu reagieren. Problem: Unzufriedenheit der Bewohner wegen fehlender sinnvoller Beschäftigung bringt große emotionale Probleme mit sich.

2. Schritt: Erste Gespräche führen


  • Sozialpädagoginnen: Ideenwerkstatt: Wie könnte man nach ihrer Meinung die Probleme dauerhaft lösen und den Druck aus den einzelnen Gruppen nehmen. Aber gleichzeitig jedem einzelnen Bewohner gerecht werden und flexibel auf seine Bedürfnisse eingehen. Wunsch ist es für jeden eine passende Tätigkeit zu finden, aber in Krisensituationen schnell reagieren zu können, ohne dass der Arbeitsplatz gefährdet ist. Schaffung einer guten Wohn- und Arbeitssituation => psychische Entlastung für die Bewohner und die Schaffung von Erfolgsmomenten: Ich kann eine gute Arbeitsleistung erbringen, ich bin ein wertvoller Mensch, ich werde von den anderen ernstgenommen, ich bin ein Teil dieser Gesellschaft, ich kann mich in einem „normalen“ Umfeld bewegen.
  • Bewohner des Wohnheims: Befragung
    • Ideensammlung bei den Bewohnern => was wollen sie machen
    • Mögliche Tätigkeiten vorstellen:
      • Mitarbeit im Bioladen
      • Arbeit auf dem Gemüsefeld
      • Administrative Aufgaben
      • Brotzeitservice
      • Verschiedene Arbeiten im Hintergrund
    • Flexible Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsplatztausch, nach den persönlichen Bedürfnissen der Bewohner
  • Nachbarschaft: aktivierende Interviews => In Einzelgesprächen herausfinden:
    • Gibt es Bedarf an einem Bioladen,
    • was wünscht sich die Nachbarschaft von einem solchen Angebot,
    • gibt es Interesse an einer Genossenschaft,
    • besteht Interesse an einem festen Arbeitsplatz, wo sie mit psychisch kranken Menschen zusammenarbeiten, Inklusionsgedanke
  • angrenzendes kleines Industriegebiet: aktivierende Befragung
    • besteht Bedarf an einem Brotzeitlieferservice
    • würde das Angebot vorbereitete Biogemüsekisten anzuliefern, angenommen
    • Interesse am kennenlernen von „besonderen“ Menschen => Inklusionsgedanke
    • Evtl. dadurch Bereitstellung von Praktikumsplätzen, bzw. festen Arbeitsplätzen
  • Stadt: Gespräch über Stadtteil, Versorgungslage
    • Erste Ideen vorstellen
    • Anfrage wegen Pachtung von kleiner landwirtschaftlicher Fläche für den Anbau von Biogemüse
    • Anmeldung eines Gewerbes, bzw. Gründung einer Genossenschaft
  • Sponsorensuche: große Firmen in der Umgebung für die Idee begeistern und kostenlose erste Brotzeitlieferungen anbieten.
  • Anfrage an bayerische Staatsregierung wegen Projektgelder
  • Eruieren von möglichen Unterstützungen durch Fonds etc.

3. Schritt: Projektplanung und konzeptionelle Vorbereitung

  • Netzwerk für Kooperationen bilden
  • Vorträge für Bewohner vorbereiten wegen Beitritt zur Genossenschaft
  • Finanzierung sicherstellen => Sponsoring, Beteiligungen usw.
  • Jahreskonzept erstellen:
    • Zuerst Zukauf von Gemüse
    • Erste kostenlose Belieferungen der Brotzeit an umliegende Firmen und dann fester Auftragslage
    • Angebot einer Bioobst- undGemüsetüte
    • Attraktive regionale Gemüse- und Obstangebote usw.
    • Allmählich erweiternde Produktpalette
    • Selbstgebackenes Brot und Brötchen
  • Rechtliche Bedingungen für die Eröffnung und Betreiben eines Bioladens einholen
  • Grünfläche pachten und intensiver Erfahrungsaustausch mit Biobauern
  • Planung des Bioladens
  • Mitnutzung von landwirtschaftlichen Geräten für den Gemüseanbau => Maschinenring etc.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Flyer erstellen, Ankündigungen in der Presse, Projektpatensuche, Logo usw.
  • Nutzen für das gesamte Umfeld darstellen
  • Gespräche mit Träger und Stadt
  • Stellenausschreibung für Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen
  • Nutzung von Ressourcen in der Nachbarschaft:
    • Hilfe beim Bau der Regale
    • Hilfe bei der Umgestaltung der Räume: malern etc.
    • Hilfe bei der Dekoration der Innenräume etc.

Methoden und Grundsätze

  • Aktivierende und wertschätzende Interviews mit allen Beteiligten
  • Energie, die in der Kritikphase frei wird in positive Energie umsetzen.
  • Ideenwerktstatt: Sammeln von vielen Ideen der unterschiedlichen Beteiligten
  • Vorgehensweise soll sehr transparent und zielgerichtet ablaufen
  • Aktives Miteinbeziehen aller Beteiligter
  • Bildung von Untergruppen für die einzelnen Bereiche
  • Beachtung der Ängste der Bewohner => keine Überforderung => Zeitpuffer einbauen
  • Mit gutem Konzept für Bioladen überzeugen.
  • Bedarfsumfrage starten => naheliegende Hochschulstudenten mit einbeziehen

Zeitlicher Rahmen und Kostenschätzung


Umbau der leerstehenden Räume ca. 2 Monate ca. 15.000 €
Kauf eines kleinen Lieferwagens gebraucht ca. 7.000 €
Innenausstattung ca. 5.000 €
Pachtgebühren für landwirtschaftliche Fläche jährl. ca. 150 €
Nutzung des trägereigenen Fahrzeugs zur Brotzeitauslieferung 0 €

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