Konzept Julia Strobl

Ausgangslage ist ein malerischer, einladender Ort im Naabtal, der viele Künstler anzieht und den auch Urlauber gerne aufsuchen.

Hier habe ich 23 Jahre lang gewohnt und ich kann mir gut vorstellen, wieder dort hinzugehen.
Jedoch zeigen sich im Bereich der sozialen Einrichtungen oder Initiativen aus meiner Sicht Defizite, wenn nicht zu sagen Rückschritte.
Vor einigen Jahren wurde das einzig vorhandene Haus, in dem Menschen mit Behinderung lebten (Außenwohngruppe einer Einrichtung), aufgelöst und die Bewohner mussten zurück in die Großeinrichtung, obwohl dies nicht in ihrem Sinne war.
In einer Zeit, in der wir kräftig am Inklusionsgedanken und der Umsetzung arbeiten sollte so etwas nicht passieren.
Im Bereich der Behindertenarbeit wird seither im Markt nichts mehr geboten, was ich sehr schade finde.
Da mich als Heilerziehungspflegerin das Thema Inklusion seit längerem beschäftigt und mir der Ort am Herzen liegt, möchte ich hier mein Projekt ansiedeln.

Ziel

Den Ort „wieder“ öffnen für Menschen mit Behinderung (im Folgenden MmB) und den Inklusionsgedanken, wenn auch nur ein kleines Stück, vorantreiben.
Da die Inklusion hier zu Lande noch in Kinderschuhen steckt, geht es mehr darum, überhaupt erst einmal anzufangen.
Meiner Ansicht nach ist das A und O bei den Anfängen der Inklusion ein gesellschaftliches Bewusstsein und Raum für Begegnung zu schaffen sowie Aufklärung zu betreiben, was mein vorerst vorrangiges Ziel ist.
Innerhalb der Gemeinde soll somit ein wichtiger Grundsatz der Inklusion Einzug finden: Nur mit MmB sind wir eine ganze, komplette, Gemeinde.
Zielgruppe sind Menschen aus der Gemeinde selbst aber auch diejenigen, die von außerhalb kommen. Da die Ausgangslage bzgl. der verbleibenden MmB innerhalb des Orts sehr zu wünschen übrig lässt geht es auch darum, sie wieder zurück zu holen. Z. B. Kooperation mit Heimen in der Nähe, Außenwohngruppen, ambulant betreutes Wohnen anzubieten.

Arbeitsthese

Ein Ort der Begegnung ist der erste und wichtigste Schritt um das oben genannte Bewusstsein zu fördern. Um dies umzusetzen bietet sich vorerst an, diese Begegnung gezielt zu betreiben, d.h. ein geeigneter Raum soll genutzt werden um Treffen zu ermöglichen. Diese können unterschiedlicher Natur sein und von den Teilnehmern je nach Belieben gestaltet werden. So ist es möglich, verschiedenes anzubieten: Workshops, Kunstprojekte, die vom ansässigen Kultureck übernommen werden könnten, musikalisch Abende, Elterntreffpunkt zum Austausch usw. Teilnehmer sollen Menschen mit und ohne Behinderung sein; ein gemischtes Publikum.
Um den Blick für diese Thematik zu schärfen gibt es einmal pro Monat einen Vortrag über eine bestimmte Behinderung. Dieser kann von Fachkräften übernommen werden, vorzugsweise jedoch durch Betroffene (sofern es möglich ist), da Erfahrungsberichte oft einen besonderen Wert haben und der Mensch an einzelnen Schicksalen oder Geschichten häufig mehr teilnimmt, bzw. diese authentisch sind.

Schritte des Vorgehens/Schritte Projektplanung

Zuerst sollte durch Befragung und Vorstellung des Projekts versucht werden herauszufinden, was gewünscht wäre bzgl. der Angebote und wer daran teilnehmen würde; Teilnehmen im Sinne von Angebote besuchen, aber auch Angebote selbst zu gestalten. Diese Befragung wird ausgewertet, um von Anfang an Interessierte mit ins Boot zu holen, die sich an der Gestaltung aktiv beteiligen.
Hier wäre auch interessant, die MmB der Gemeinde ausfindig zu machen um sie als wichtige Teilnehmer von Anfang an mit einzubeziehen: Was wünschen sie sich, welche Ideen bringen sie mit ein, welche Veranstaltungen würden sie evtl. gern selbst gestalten. Sie sollen/können Mitbegründer sein.
Als Raum bietet sich das Pfarrheim an, da dieses öfter leer steht und somit die Möglichkeit besteht, es ein- bis zweimal wöchentlich zu nutzen. Weiterhin wäre die Nutzung hier unentgeltlich und relativ einfach zu organisieren, da ich den Pfarrer kenne.
Es sollten Flyer verteilt/ausgelegt werden in den Geschäften, Kindergarten, Schule, Altenheim, Apotheke, alle Orte, in denen reger Verkehr herrscht. Diese können durchaus die Gemeindegrenze verlassen.
Das Projekt sollte mit einem Einweihungsfest starten, evtl. dann, wenn parallel eine weitere Veranstaltung stattfindet, z.B. ein Bürgerfest, da diese immer sehr gut besucht sind und so mehr Menschen erreicht werden. Hier wird ein Überblick über das Vorhaben gegeben, Flyer verteilt, erneute Meinungsumfrage, wer würde sich bei was gerne beteiligen usw.
Die Finanzierung sollte sich nach Möglichkeit gering halten, indem jeder einen kleinen Teil beiträgt, z. B. könnte das Schreibwarengeschäft die Flyer bereitstellen, Workshops werden auf ehrenamtlicher Basis angeboten usw. Da diese Bereitschaft jedoch nicht immer gegeben ist wäre es eine Möglichkeit, die Aktion Mensch miteinzubinden, die solche Projekte finanziell unterstützt. So wäre ein Startkapital gegeben, mit dem gearbeitet werden kann.

Sicher zu erreichende Ziele

Räumlichkeit finden, Angebote starten, Netzwerkarbeit/Kooperationspartner finden, v.a. im künstlerischen Bereich, da hier viele angesiedelt sind, die sehr offen sind und insofern selbst „Nutzen“ erzielen könnten, als dass sie ihre Aktivitäten in einem weiteren Raum vorstellen und weitergeben können.
Flyer drucken und verteilen, persönlichen Kontakt mit Einrichtungen für MmB aufnehmen, diese zu Veranstaltungen einladen, anbieten diesen Raum nutzen zu können um Angebote zu gestalten.

Mögliche positive Nebeneffekte

Wünschenswert bzw. das weiterführende Ziel wäre hier, die Gemeinde in diesem Bereich allgemein zu aktivieren, sodass z. B. wieder Wohnraum für MmB entsteht, sie Anstellung bei möglichen Kooperationspartnern finden, andere Einrichtung mitziehen und sich einsetzen, z. B. dass der Kindergarten integrativ wird, die Schule oder bestimmte Vereine inklusive Sportgruppen anbietet usw; somit also Inklusion verwirklichen, wie sie gedacht ist.

Add Discussion