Community Organizing Konzept Theresa Bücheler

Eingliederung einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in das gesellschaftliche Leben des Viertels

Ausgangssituation:

Die Situation für mein Community Organizing Projekt spielt sich in einem Stadtteil im Münchner Westen ab, in dem ich selbst lebe.

Auf der einen Seite gibt es dort eine schön angelegte Reihenhaussiedlung aus den 60er Jahren mit jeweils einem kleinen Garten pro Haus. Das Viertel ist schön angelegt. Es gibt dort mehrere Grünanlagen mit Spielplätzen und Möglichkeiten zum Fußball, Tischtennis und Basketball spielen, sowie kleinen Einkaufsmöglichkeiten wie z.B. zwei Bäcker/Konditorei, einem Metzger, Käse- und Gemüseladen einer Apotheke und einem Drogeriegeschäft.

Auf der anderen Seite steht, abgetrennt durch eine große Hauptverkehrsstraße, eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Es ist ein tristes, nichts sagendes Gebäude in Mitten von Bürokomplexen, Fastfood-Restaurants und großen Lebensmittelketten. Grünflächen gibt es dort keine und der winzige Spielplatz im Hof der Gemeinschaftsunterkunft liegt direkt an der Bahnstrecke.
Die Familien leben dort oft schon seit Jahren in ihren winzigen Zimmern, haben aber auf Grund der isolierten Lage keine Möglichkeit sich in das Viertel einzugliedern. Auch die Kinder verbringen ihre Freizeit fast ausschließlich in den Gängen und auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft, da sie außerhalb der Schule keinerlei Anschluss an Gleichaltrige haben.

Die Bewohner der Reihenhaussiedlung wissen oft nicht einmal von der Gemeinschaftsunterkunft oder wollen von ihr nichts wissen. Man kennt die „Asylbewerber“ nur vom Sehen an der Bushaltestelle beispielsweise. Ab und zu sieht man vielleicht mal eine Gruppe Kinder auf dem Spielplatz oder der Bolzwiese spielen, doch bleiben sie auch da immer isoliert. Die wenigsten machen sich darüber Gedanken, wo diese Menschen wohl wohnen, obwohl das hoch aufragende graue Kastengebäude der Unterkunft deutlich sichtbar ist von den Reihenhäusern aus. Doch es bleibt einfach eines von vielen Gebäuden zwischen Tengelmann und Mc Donalds für die meisten.

Eines der größten Probleme ist, denke ich, die starke räumliche Trennung der beiden Welten durch die ganz offensichtliche Grenze in Form der Hauptverkehrsstraße. So kann es kaum bzw. nie zu einem Kontakt zwischen den beiden Gruppen kommen.
Die Trennung durch die Straße führt nur noch mehr zur Verfestigung der Mentalität „was gehen uns schon die da auf der anderen Seite an?!“ ganz nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“. Dadurch, dass die Gemeinschaftsunterkunft auf der anderen Seite nur zwischen Bürogebäuden liegt, gehören die Bewohner der Unterkunft nicht zum Wohnviertel.
Allerdings kann die räumliche Trennung in diesem Sinne nicht aufgehoben werden, deswegen möchte ich durch mein Community Organizing Projekt Möglichkeiten schaffen, damit die zwei Gruppen in Kontakt treten können, sich gegenseitig kennenlernen können.

Vision:

  • gegenseitiges Kennenlernen und nicht mehr ignorieren
  • gegenseitiges Interesse
  • gegenseitiger Respekt
  • kleine gemeinsame Aktionen miteinander
  • vor allem Kontakt knüpfen zwischen den Kindern aus der Gemeinschaftsunterkunft und Kindern aus dem Viertel
  • gemeinsame multikulti Straßenfeste
  • als langfristiger Wunsch ein Zusammenwachsen der beiden Welten und eine Dauerkooperation zwischen den Bewohnern der Reihenhaussiedlung und den Menschen aus der Unterkunft

Umsetzung:


1) engagierte Mitstreiter aus dem Viertel finden
  • Informationsveranstaltung für die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft, um auch dort Leute für das Projekt zu begeistern
    dieser Kontakt findet am besten über die Heimleiterin statt, denn zu ihr haben die Flüchtlinge Vertrauen, so kann ein erster Kontakt besser ermöglicht werden
2) Treffen aller Interessierten beider Gruppen
  • als Räumlichkeiten für dieses Treffen und alle zukünftigen können zwei Räume in der Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden, die es extra für solche Zwecke gibt. Meist werden sie für Nachhilfestunden und Projekte mit Refugio genutzt
  • gegenseitiges Vorstellen und Kennenlernen

3) Ideen und Wünsche sammeln
  • vielleicht mit der Methode Open Space
    - einzelnen Leute, sowohl aus der Gemeinschaftsunterkunft, wie auch aus dem Viertel, schlagen ihre Projektidee vor, die sie verwirklichen wollen
    - diejenigen, die sich dort mit einbringen wollen gesellen sich zu der jeweiligen Gruppe dazu
Themen könnten hier z.B sein:
  • Hausaufgabenhilfe für die Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft
  • Nachhilfe vielleicht auch für Kinder aus dem Viertel, die z.B. Probleme mit Englisch oder Französisch haben und denen ein Kind aus der GU mit dieser Muttersprache helfen kann
  • Fußballteam für alle Interessierten sei es eine Jungs- oder Männermannschaft oder für alle zusammen, vielleicht gibt es einen Vater aus der Gemeinschaftsunterkunft dem es Spaß macht, eine Mannschaft zu trainieren, als Fußballplatz kann der Bolzplatz verwendet werden, oder man bemüht sich um eine Kooperation mit dem Fußballverein des Stadtviertels
  • Kartenspielabend für Männer
  • ein Frauen- bzw. Müttertreff z.B als eine Frühstücksgruppe einmal in der Woche
  • Kreativgruppe für Mädels oder vielleicht gibt es eine Mutter aus der GU die gerne ein paar Mädchen die traditionellen Tänze ihrer Heimat beibringt

4) Bilden von Kernteams für die jeweiligen Projekte + Verteilung der Aufgaben
  • Vereinbarung von regelmäßigen Treffen

5) Werbung machen für das Projekt
  • z.B. im Pfarrbrief und mit Aushängen

6) gemeinsames Organisieren eines großen Straßenfestes
  • um auch noch andere Leute für das Projekt zu gewinnen, bei einem solchen Fest die die Hemmschwelle wesentlich niedriger einfach mal vorbei zu schauen
  • großes Buffet mit Spezialitäten aus den einzelnen Ländern
  • traditionelle Tänze und Musik
  • entspannte Atmosphäre um einander besser kennen zu lernen

7) regelmäßig stattfindende Gruppen
  • alle 6 Monate Treffen aller „Gruppenleiter“ um gemeinsame Großaktionen wie z.B ein Fest oder ein großes Fußballturnier zu organisieren

Finanzierung:

  • bei der ansässigen Pfarrei anfragen, vielleicht wollen die sich mit einbringen oder erklären sich bereit in der nächsten Kollekte für unser Projekt zu sammeln
  • den Träger der Gemeinschaftsunterkunft um Unterstützung bitten

zu erreichende Ziele:

  • Aufheben der kompletten Anonymität
  • Interesse aneinander und Verständnis füreinander
  • Kennenlernen anderer Kulturen und Mentalitäten
  • Kontakt zwischen den Kindern evtl. Freundschaften
  • Hausaufgabenhilfe
  • gemeinsames Fest

erwünschte Ziele:

  • Dauerhafter Kontakt zwischen den Bewohnern des Viertels und denen der Gemeinschaftsunterkunft
    Eingliederung der Unterkunft in das Viertel trotz räumlicher Trennung
  • Aufbauen und Aufrechterhalten eines unterstützenden und freundschaftlichen Netzwerkes der Bewohner untereinander

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