Eingliederung alter Menschen
Die Ausgangssituation in vielen kleineren und mittelgroßen Orten ist, dass es dort sehr viele alte Menschen gibt.
Leider werden diese aber oft vergessen, da man versucht, viel für die jungen Bewohner zu tun um den Ort für diese Menschen attraktiv zu machen. So fühlen sich die alten Menschen nicht mehr erwünscht. Sie wollen niemanden zur Last fallen und die Jungen machen lassen, ganz nach dem Motto „Wir sind jetzt alt, jetzt sind sie dran. Sie haben noch länger was davon."
Zudem scheuen sie sich oft, ihre Probleme die sie mit dem Alltag haben zuzugeben und fühlen sich einsam, weil die Kinder, als sie die Schule abgeschlossen hatten, in die nächste Stadt zogen und nur noch selten vorbeischauen.
Dadurch dass ihre Kinder erwachsen wurden und weggingen, fielen auch die eigenen sozialen Kontakte im Laufe der Zeit fast ganz weg.
Früher kamen sie ganz alleine aufgrund der Kinder unter Menschen, trafen sich zum Kaffee oder unternahmen etwas.
Jetzt sitzen viele nur noch jeden Abend vor ihren Fernsehern oder stricken alleine vor sich hin, ohne mit jemanden plaudern zu können.

Aber auch alte Menschen wünschen sich soziale Kontakte.
Sie würden sich freuen, mal wieder in die ortsansässige Wirtschaft zu gehen oder mit jemanden zu sprechen.
Da auch viele keine Enkelkinder in der Nähe haben, würden sie sich auch über Kinder aus der Nachbarschaft freuen, die ab und zu zum Spiele spielen vorbei kommen. Wie oben schon genannt, fällt aber im Alter auch vieles schwer, was früher ganz einfach ging. So zum Beispiel das anstrengende Rasenmähen oder der Umgang mit Technik oder beim Ausfüllen von Anträgen.
Hier brauchen viele Senioren dringend Hilfe. Andererseits haben sie aber einen sehr großen Erfahrungsschatz, den sie an die jüngere Generation weitergeben können und wollen.

Das Problem ist also, dass die alten Menschen keine sozialen Kontakte mehr haben, sich aber über Geselligkeit freuen würden. Zudem brauchen sie in manchen Dingen Hilfe, wollen aber den Jungen nicht zur Last fallen. Zuletzt aber haben sie ein großes Wissen, dass nicht verloren gehen darf und dass auch der jungen Generation viel helfen kann. Deshalb möchte ich durch mein Community Organizing Projekt Möglichkeiten aufzeigen, was für die Eingliederung der älteren Menschen getan werden kann. Mein Projekt legt aber auch den jungen Menschen dar, dass es sich lohnt wenn man sich mit den Senioren beschäftigt und sie aktiv in das Gemeinschaftsleben einbindet.
Ziele:
  • Die älteren und auch jüngeren Bewohner des Ortes sollen sich wieder besser kennenlernen
  • Vor allem die älteren Menschen sollen erkennen, dass sie in ihrer Situation nicht alleine sind
  • Sie sollen erkennen, dass man ihnen gerne hilft
  • Die Nachbarschaftshilfe soll ausgebaut und gefördert werden
  • Entstehen einer Ortsgemeinschaft, die zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt

Umsetzung:

  • Infoveranstaltungen organisieren: auf die Probleme der alten Menschen aufmerksam machen: Einsamkeit, Hilflosigkeit (oft, weil vieles einfach nicht mehr so funktioniert wie es immer war), Überforderung mit der sich immer rasanter entwickelnden Technik
  • Im Gegensatz dazu aber auch darstellen, welchen enormen Wissens- und Erfahrungsschatz alte Menschen haben
  • Darauf aufmerksam machen, dass alt werden jeden betrifft
  • Ansprechen der ortsansässigen Vereine
  • Durch Umfragen herausfinden, welche konkreten Wünsche und Vorstellungen die alten Menschen haben, damit sich ihre oben genannten Probleme verbessern könnten: z.B.:
    • Organisieren von Nachbarschaftshilfe: Herr X mäht für Frau Y rasen, dafür näht Frau Y, die eine begeisterte Handarbeiterin ist, Herrn X's Hosen und strickt ihm einen neuen Schal à „Tauschbörsen" entstehen lassen
    • Organisieren von Rentnerstammtischen für die Herren / Kaffeekränzchen für die Damen: man tauscht sich aus und merkt plötzlich, dass es den anderen genau so geht wie einem selbst. Vielleicht entstehen daraus mehr private Treffen, sodass die Einsamkeit sinkt.
    • Organisieren von Generationentreffs: die älteren Herrschaften zeigen den jüngeren praktische Dinge wie Nähen, Stopfen, Kochen, Backen etc.. Im Gegenzug lösen die jüngeren Computerprobleme, installieren den Fernseher neu oder helfen Anträge auszufüllen.
    • Organisieren von gemeinsamen Spiele-, Bastell- oder ähnlichen Motto-Nachmittagen für die Kinder und Senioren, bei denen sowohl Kinder als auch ältere Menschen angesprochen werden und jeder mitmachen kann der Lust hat.
    • Aufbauen von Schafkopftreffs in denen gerne auch Männer, Frauen und Kinder teilnehmen können, die das Spiel noch nicht beherrschen. Die Senioren, die Experten in diesem Kartenspiel sind, geben ihr Wissen an die Jungen weiter. Daraus können sich auch richtige Turniere entwickeln.
    • Usw.
  • Durch Umfragen herausfinden, welche Fähigkeiten die Bewohner des Ortes mitbringen, die sie an andere weitergeben könnten: Auch daraus könnten sich interessante Projektgruppen entwickeln, die Alt und Jung begeistern.
  • Damit diese oben genannten Punkte auch wirklich regelmäßig umgesetzt werden, müssen die einzelnen Gruppen ‚Leiter' bestimmen. Diese treffen sich dann regelmäßig um ihre Fortschritte zu beraten oder auch mal gemeinsam ein großes Fest zu organisieren.
  • Den Start des Programms in Pfarrbriefen, Stadtzeitungen, Gemeindeblättern, Plakaten etc. an die Öffentlichkeit bringen: Ein Ortsfest organisieren, bei dem gegrillt wird, musiziert wird und zu dem explizit die älteren Menschen eingeladen werden à vorher Bilden einer Projektgruppe aus engagierten Kindern, Männern und Frauen der mittleren Generation und älteren Herrschaften, die diesen Start und den Anfang des Projektes organisieren. Auch als Community Organizer ist man Teil dieser Gruppe.
  • Dieses Fest (halb-) jährlich veranstalten, sodass die Senioren in ihrem Jahresablauf etwas besonderes haben, auf das sie sich freuen können und sie wissen, dass sie dort willkommen sind.
  • Als Sozialarbeiter / Community Organizer, der für diesen Ort zuständig ist als dauernder Ratgeber zur Seite stehen falls Fragen oder Unklarheiten in der Organisation und Umsetzung auftauchen.

Finanzierung:

  • Die Vereine im Ort um Spenden bitten
  • Die Pfarrei um Unterstützung bitten
  • Die Kommune um Unterstützung bitten
  • Viel Eigeninitiative der Bewohner, z.B. Spendieren der Werkzeuge, Rasenmäher, Stricksachen etc.

Das Programm ist erfolgreich, wenn:

  • Sich die alten Menschen wieder in ihren Ort eingebunden fühlen
  • Die Hilflosigkeit, Einsamkeit und Überforderung sinkt
  • Die jungen Menschen sehen, dass auch die ‚Omas und Opas' viel leisten können, was auch für die jüngere Generation hilfreich ist
  • Die Menschen dadurch einen aktiven und lebenswerten Ort erhalten

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